Nachruf auf Prof. Dr. Christine Siegert

Der Verein zur Förderung von Landesjugendensembles NRW e.V. trauert um die Präsidentin des Landesmusikrats NRW Prof. Dr. Christine Siegert, die am 3. August 2026 im Alter von 55 Jahren viel zu früh verstorben ist.

Sie zeigte stets großes Interesse an den Landesjugendensembles. Dankbar erinnern wir uns an sie und ihr Engagement für unsere Klangkörper.

Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie und Angehörigen. 

Wir zitieren im Folgenden den Nachruf des Landesmusikrats NRW:

Mit großer Trauer nimmt der Landesmusikrat Nordrhein-Westfalen Abschied von seiner Präsidentin Prof. Dr. Christine Siegert, die am 3. August 2026 im Alter von nur 55 Jahren verstorben ist.

Ihr Tod erfüllt uns mit tiefer Bestürzung. Wir verlieren eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die den Landesmusikrat Nordrhein-Westfalen mit Klugheit, Integrität und Herzlichkeit geprägt hat. Christine Siegert war eine Präsidentin, die zuhörte, Brücken baute und Menschen zusammenführte. Sie war überzeugt, dass das Musikleben seine Kraft aus seiner Vielfalt schöpft – aus dem Miteinander von Amateurmusik und professioneller Musik, von musikalischer Bildung und Spitzenkultur, von wissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Praxis.

Als sie im August 2023 zur Präsidentin des Landesmusikrats Nordrhein-Westfalen gewählt wurde, brachte sie ihre herausragende wissenschaftliche Kompetenz ebenso selbstverständlich ein wie ihre große Erfahrung in der Leitung einer international renommierten Kultur- und Forschungseinrichtung. Zugleich begegnete sie allen Partnerinnen und Partnern auf Augenhöhe – den Mitgliedsverbänden ebenso wie den politischen Entscheidungsträgern, den Ehrenamtlichen ebenso wie den hauptamtlich Beschäftigten. Diese Verbindung von fachlicher Autorität und menschlicher Zugewandtheit machte sie zu einer überaus geschätzten Präsidentin.

Christine Siegert hat den Landesmusikrat in einer Zeit großer Herausforderungen geführt. Gemeinsam mit Präsidium, Mitgliedsverbänden und Geschäftsstelle setzte sie sich für bessere Rahmenbedingungen des Musiklebens in Nordrhein-Westfalen ein. Ihr lagen die musikalische Bildung, die Förderung des musikalischen Nachwuchses, die Amateurmusik ebenso wie die zeitgenössische Musik und die wissenschaftliche Fundierung kulturpolitischer Entscheidungen besonders am Herzen. Sie war überzeugt, dass Musik weit mehr ist als ein kulturelles Angebot – sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer demokratischen und offenen Gesellschaft.

Ihr Engagement wirkte weit über Nordrhein-Westfalen hinaus. Als Vorsitzende der Konferenz der Landesmusikräte in Deutschland stärkte sie die Zusammenarbeit der Landesmusikräte und verlieh ihren gemeinsamen Anliegen auf Bundesebene eine starke Stimme. Seit 2025 gehörte sie dem Präsidium des Deutschen Musikrats an. Darüber hinaus engagierte sie sich im Beirat des Deutschen Musikinformationszentrums (miz) sowie im Bundesfachausschuss Musikwissenschaft des Deutschen Musikrats. Mit analytischer Schärfe, diplomatischem Geschick und großem Verantwortungsbewusstsein gewann sie überall hohes Ansehen.

Ihre wissenschaftliche Heimat war das Beethoven-Haus Bonn. Seit 2015 leitete sie das Beethoven-Archiv und den Verlag des Hauses und war Generalherausgeberin der Beethoven-Gesamtausgabe. International genoss sie höchste Anerkennung als Beethoven-Forscherin und Editionswissenschaftlerin. Mit ihrer Arbeit trug sie wesentlich dazu bei, das Beethoven-Haus als eines der weltweit bedeutendsten Zentren der musikalischen Forschung weiterzuentwickeln.

Besonders schmerzlich ist, dass sie die Veröffentlichung eines ihrer Herzensprojekte nicht mehr erleben durfte. Ihre Edition der Ouvertüre „Leonore“ für die Beethoven-Gesamtausgabe steht kurz vor dem Erscheinen. Sie wird zugleich wissenschaftliches Vermächtnis und bleibende Erinnerung an eine Forscherpersönlichkeit sein, deren Arbeit Generationen von Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftlern begleiten wird.

Wer Christine Siegert kannte, erinnert sich an ihre ruhige, besonnene und verbindliche Art. Sie argumentierte nie laut, sondern überzeugte durch Sachlichkeit, Genauigkeit und Respekt. Sie war offen für unterschiedliche Sichtweisen und verstand es, gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Gerade diese Fähigkeit machte sie zu einer Präsidentin, die Vertrauen stiftete. Und für viele war sie mehr als die Präsidentin des Landesmusikrats. Sie war Ratgeberin, Gesprächspartnerin und Kollegin. Ihre Klarheit, ihre Bescheidenheit und ihre Verlässlichkeit werden uns fehlen.

Der Landesmusikrat Nordrhein-Westfalen verliert mit Christine Siegert eine Präsidentin, die unser Handeln nachhaltig geprägt hat. Wir werden ihr Andenken bewahren und die Ziele, für die sie sich mit großer Überzeugung eingesetzt hat, weiterverfolgen.

Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie, ihren Freundinnen und Freunden und wir sind in Gedanken auch bei ihren zahlreichen Weggefährtinnen und Weggefährten in Wissenschaft, Kultur und Musikpolitik. Wir danken Christine Siegert für alles, was sie dem Musikleben in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland geschenkt hat.

Robert von Zahn
Generalsekretär des Landesmusikrats NRW

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