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Was ist eigentlich ein Streichquartett?
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07.April 2020   Kammermusikzentrum NRW

Wir starten eine neue Reihe im Blog und stellen in loser Folge musikalische Gattungen, Fachbegriffe und was es sonst noch Interessantes aus dem Bereich der Kammermusik zu berichten gibt vor. Los geht es mit einem Text unserer Praktikantin Rahel über das Streichquartett. In der Förderung des Kammermusikzentrums haben sich bereits einige Quartette zusammengefunden und über einen längeren Zeitraum gemeinsam musiziert.

Was ist eigentlich ein Streichquartett?

Der Begriff "Streichquartett"  bezeichnet sowohl eine Standardbesetzung im Bereich der Kammermusik als auch die dazugehörige musikalische Gattung. Obwohl im weitesten Sinne jede Komposition für vier solistische Streichinstrumente als Streichquartett bezeichnet werden kann, hat sich doch ein einheitliches Begriffsverständnis etabliert. Allgemein wird ein mehrsätziges Werk für zwei Geigen, Bratsche und Violoncello als Streichquartett bezeichnet bzw. dieser Gattung zugeordnet. Bis heute gilt das Streichquartett als die Königsdisziplin der Kammermusik und stellt hohe Ansprüche an Interpreten wie Komponisten.

Ein kurzer Blick auf die Gattungsgeschichte

Das Streichquartett entstand mit dem österreichischen Komponisten Joseph Haydn Mitte des 18. Jahrhunderts und etablierte sich zur Zeit der Wiener Klassik um 1781 zu einer eigenständigen Gattung. Interessant ist, dass die Vorstellung von der Vierstimmigkeit als Inbegriff satztechnischer Vollkommenheit schon deutlich älter ist und weit bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, dort jedoch im Bereich der Vokalpolyphonie.

Haydn, der  als Begründer der Gattung angesehen werden kann, begann Anfang der 1760er Jahre damit, Stücke für die Besetzung eines Streichquartetts zu komponieren. Seine Streichquartette op. 33 aus dem Jahre 1781 veranlassten Wolfgang Amadeus Mozart dazu, selbst erstmals für diese Besetzung zu komponieren. Die daraufhin veröffentlichten ersten sechs Streichquartette widmete er seinem Vorbild Haydn. Auch Beethoven befasste sich mit der Gattung Streichquartett und entwickelte sie weiter. Besonders seine späten Streichquartette, die zwar anerkannt wurden, aber zunächst unverstanden blieben, prägten die Entwicklung der Gattung nachwirkend bis weit ins 20. Jahrhundert.

Im 19. Jahrhundert galten besonders Haydn und Mozart als Vorbilder und veranlassten Komponisten wie Franz Schubert, Robert Schumann, Felix Mendelssohn oder Johannes Brahms dazu, die Tradition fortzuführen. Ihre Streichquartettkompositionen zählen bis heute zum Standardrepertoire in der Kammermusik.

Auch im 20. Jahrhundert behielt die Gattung ihren hohen Stellenwert. Arnold Schönberg, Charles Ives oder Dmitri Schostakowitsch sind nur einige wenige Komponisten, die sich im vergangenen Jahrhundert mit dem Komponieren von Streichquartetten befassten.

Beispiele bekannter Werke

Hier ein paar Hörempfehlungen einiger ausgewählter Streichquartette unterschiedlicher Komponisten und Epochen, die auch einen Einblick in die Arbeit des Kammermusikzentrums geben.

Joseph Haydn: Streichquartett d-Moll, op. 76,2 („Quintenquartett“)
Dieses Quartett spielt gerade das Devienne Quartett des Kammermusikzentrums. Felix hat das Werk im Blog schon vorgestellt.

Ludwig van Beethoven: Streichquartette op. 18
Das Doron Quartett hat 2017 die Nr. 4 der Quartette op. 18 gespielt und Aron hat einen Einblick in das Werk gegeben.

Franz Schubert: Streichquartett Nr. 14 in d-Moll („Der Tod und das Mädchen“)
Im Kurs im Januar 2020 wurde dieses Quartett gespielt. Hier geht es zum Artikel "Musik unter der Lupe".

Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 8 in c-Moll
Bei der Aufführung des P E R F O R Musik-Projekt Teufelspack - Der Tragödie einziger Teil spielte dieses Quartett, gespielt vom Doron Quartett des Kammermusikzentrums, eine wichtige Rolle.

Rahel Schmitt