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Was ist eigentlich ein Holzbläserquintett?
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05.May 2020   Kammermusikzentrum NRW

In der Förderung durch das Kammermusikzentrum gab es bisher drei Holzbläserquintette: 2016-2017 das La Brise Quintett, seit 2017 das Boreas Quintett und seit 2019 das Anemoi Quintett. Zusätzlich hatte sich 2018 noch ein Holzbläserquintett für ein Projekt zu "Peter und der Wolf" mit zahlreichen Schulkonzerten gebildet. Aber was ist eigentlich das Besondere an einem Holzbäserquintett? Mit dieser Frage hat sich Sina, Oboistin des Boreas Quintetts, beschäftigt.

Was ist ein Holzbläserquintett?

„Holzbläserquintett“ ist eine Bezeichnung für eine kammermusikalische Besetzung. Es ist eine Spezifizierung des Begriffs Bläserquintett.
Neben der Bezeichnung für eine bestimmte kammermusikalische Besetzung ist „(Holz-) Bläserquintett“ auch eine Werkbezeichnung für ein Stück, dass für ein Holzbläserquintett geschrieben wurde.

Wer ist Teil eines Holzbläserquintetts?

Teil eines Holzbläserquintetts sind in der Regel eine Flöte, eine Oboe, ein Horn, ein Fagott und eine Klarinette. Moment  - ein Horn? Ja, obwohl das Horn eigentlich ein Blechblasinstrument ist, ist es dennoch Teil des HOLZbläserquintetts. Dadurch, dass es sehr weich und leise spielen kann, aber stets seinen runden und kräftigen Klang behält, sorgt es häufig in begleitender Funktion für ein Fundament, auf das die anderen sich draufsetzten können. Es hat aber auch solistische Einsätze, die häufig auch mal sehr virtuos klingen können. Manchmal sorgt das Horn auch für die nötige Power, wenn es mal richtig laut klingen soll.

Geschichte des Holzbläserquintetts

Bis Ende des 18. Jahrhunderts bestand die Kammermusik für Bläser aus Harmoniemusiken, bei denen Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte paarweise besetzt waren. Sie war vor allem Unterhaltungsmusik für die adelige Gesellschaft. Mit dem Niedergang dieser sank der Bedarf an dieser Art von Unterhaltungsmusik. Stattdessen entwickelte sich eine bürgerlicher Musikkultur und damit auch der Wunsch nach Werken der „gehobenen“ Kammermusik, die neben dem dominierenden Streichquartett bestehen konnten.

Das früheste bekannte Bläserquintett stammt von Antonio Rosetti, dessen um 1780 entstandenes Es-Dur-Quintett allerdings statt des Horns die Taille, eine Art von Tenoroboe, bzw. ein Englischhorn verwendet.

An Bedeutung gewann die heutige Besetzung mit Anton Reicha, der 1808 nach Paris kam und dort herausragende Musiker in der heutigen Holzbläserquintettbesetzung fand. Für sie komponierte er 4 Folgen zu 6 Quintetten, welche als stilbildend für diese Besetzung gelten. Der Erfolg dieser Werke verhalf einerseits den Musikern als Reicha-Quintett zu Berühmtheit. Andererseits gewann auch die Besetzung selber an Popularität. Bald wurden weitere Ensembles auch außerhalb von Paris gegründet. Andererseits diente Reicha anderen Komponisten als Vorbild, so dass in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche weitere Quintette entstanden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden nur noch vereinzelte Holzbläserquintette komponiert, im Lauf des 20. Jahrhunderts wurde die Gattung wieder vermehrt aufgegriffen.

Bekannte Werke

Im Kammermusikzentrum gab es bisher drei Holzbläserquintette in der Förderung, die schon verschiedene bekannte Werke gespielt haben.

Dazu gehören:

Joseph Haydn: Divertimento B-Dur (als Quintett-Arrangement)
Dieses Stück bildete für alle Quintette des Kammermusikzentrums den Einstieg in die Kammermusik. Hier ist besonders schön der Choral St. Antoni. Einen ausführlichen Bericht hat Nele, Flötistin des Boreas Quintetts, geschrieben.

Franz Danzi: Bläserquintett, op. 56, 1 B-Dur (Boreas); Quintett op. 56, 2 g-Moll (La Brise, Anemoi)
Stücke von Danzi spielten alle Holzbläserquintette des Kammermusikzentrums. Ein Ausschnitt daraus war jeweils Teil ihres Jugend-musiziert-Programms.

Anton Reicha: Quintett D-Dur, op.91, 3
Auch von dem Komponisten, der das Holzbläserquintett berühmt gemacht hat, spielt das Boreas Quintett ein Werk.

Als Vertreter modernerer Kompositionen können noch folgende Werke genannt werden:

Jaques Ibert: Trois pièces brèves. 2018 hatte das Boreas Quintett dieses Stück gespielt und die Fagottistin Emilia hat darüber berichtet.

György Ligeti: Sechs Bagatellen für Bläserquintett. Hier gibt es Infos zu dem Stück von Raphael aus dem Anemoi-Quintett und auch schon unsere erste Ausgabe von Musik unter der Lupe beschäftigte sich mit dem Stück, das damals das La  Brise Quintett gespielt hat.

Paul Hindemith: Kleine Kammermusik op. 24/2

Toshio Hosokawa: Fragmente III for wind quintet
Ein sehr modernes Stück mit modernen Spieltechniken. Einen Artikel dazu gibt es auch von Nele bei Musik unter der Lupe.

 

Sina Vetter (Oboe im Boreas Quintett)