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Musik unter der Lupe Teil 15: Der Tod und das Mädchen
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23.March 2020   Kammermusikzentrum NRW

Im Januar-Kurs des Kammermusikzentrums hat ein Streichquartett aus Musiker*innen des Landesjugendorchesters teilgenommen. Sie wollten sich fünf Tage intensiv mit dem bekanntesten Streichquartett Schuberts beschäftigen. Unsere Praktikantin Rahel Schmitt stellt heute das Stück vor.

Franz Schubert komponierte das Streichquartett Nr. 14 in d-Moll, D 810 in der späten Phase seines kompositorischen Schaffens im Jahr 1824 und führte es ein paar Jahre später in privatem Umfeld erstmals auf. Veröffentlicht wurde das Quartett jedoch erst im Jahr 1829, wenige Monate nach Schuberts Tod. Grund für den auffälligen Beinamen des Stücks ist der zweite Satz, in dem Schubert die Melodie seines Liedes „Der Tod und das Mädchen“ verarbeitet. Es war zwar nicht unüblich für Schubert, dass er in seiner Kammermusik eigene zuvor komponierte Lieder zitierte, die Thematik dieses Liedes zeigt allerdings einen auffällig nahen Bezug zur Lebenssituation des Komponisten zum Zeitpunkt der Entstehung. Schubert war, als er das Streichquartett komponierte, bereits unheilbar erkrankt und hatte gerade den ersten Krankheitsschub hinter sich. Sich seiner Krankheit und des abzusehenden Lebensendes bewusst, beschäftigte er sich in seinen letzten Jahren viel mit dem Thema Tod.

Obwohl sein Lied „Der Tod und das Mädchen“ im ersten Satz noch gar nicht erklingt und damit noch kein direkter Bezug zur Todesthematik hergestellt wird, entsteht bereits mit dem ersten Tuttieinsatz eine das gesamte Stück prägende düstere Stimmung. Das bedrohlich wirkende Triolenmotiv, das dabei zu hören ist, zieht sich durch den ganzen ersten Satz. Von Zeit zu Zeit wird es durch ein Seitenthema abgelöst, das in Dur steht und mit seinem eher lyrischen Charakter einen starken Gegensatz zum Anfangsthema darstellt. Die Triolen bahnen sich jedoch immer wieder einen Weg nach vorn und unterbrechen die lyrischen Klänge. Häufige Tonart- und Dynamikwechsel sowie das Zusammen- beziehungsweise ‚Gegeneinander‘spiel der beiden kontrastierenden Themen prägen den Satz. Wuchtiges und brutales Spiel steht leisen, geradezu schmerzlich leidenschaftlichen Passagen gegenüber. Die Gegensätze von Leben und Tod, Jugend und Vergänglichkeit, mit denen Schubert sich ausführlich beschäftigte, sind auch in der Musik durchgängig auszumachen. Durch die starken thematischen Gegensätze und die ständigen Stimmungswechsel ist das Stück so spannungsgeladen.

Rahel Schmitt