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Musik unter der Lupe 13: Fragmente von Toshio Hosokawa
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11.February 2020   Kammermusikzentrum NRW

Seit Sommer 2017 spielen wir, das Boreas Holzbläserquintett, bestehend aus Nele Tennstedt (Flöte), Sina Vetter (Oboe), Leonie Kramer (Horn), Emilia Jalocha (Fagott) und Janik Nagel (Klarinette) zusammen und nehmen seitdem regelmäßig an Kursen des Kammermusikzentrum NRWs teil.

Momentan bereiten wir uns auf den Wettbewerb „Jugend musiziert“ vor und arbeiten dazu unter anderem an einem zeitgenössischen Stück. Es heißt "Fragmente III", wurde von dem japanischen Komponisten Toshio Hosokawa komponiert und steht bei uns seit ungefähr einem halben Jahr auf dem Probenplan.Ein Werk, an dem man ständig wachsen kann und das man mit der Zeit immer besser zu verstehen lernt.

Das Stück besteht aus 6 Fragmenten, die alle relativ kurz sind. Sie gehen fließend ineinander über, trotzdem lässt sich ziemlich gut erkennen, wann ein Fragment endet und ein neues beginnt.

Zu Beginn erklingt immer ein sehr leiser, langer Ton, oftmals handelt es sich um ein "fis". Es klingt so, als würde die Luft angehalten werden und die Zeit stillstehen. Bildlich lassen sich diese Töne mit Nebel vergleichen. Denn aus diesem Nebel, also aus diesem Ton, taucht allmählich eine Ruine auf - es entsteht ein Fragment. Der Vergleich mit der Ruine ist deshalb so treffend, da Fragment übersetzt etwas "nicht ganz Fertiges" heißt, genauso wie eine Ruine nicht ganz vollständig ist. Am Ende eines Fragments verschwindet die Ruine wieder im Nebel und etwas Neues taucht daraus wieder auf.

Auch durch das gesamte Stück zieht sich ein Spannungsbogen, es beginnt mit ziemlich ruhigen, leisen Fragmenten, wird dann immer virtuoser und beruhigt sich am Ende wieder. "Fragmente III" ist also auf der einen Seite ein in sich ziemlich geschlossenes Werk, auf der anderen Seite bleibt es offen und geheimnisvoll.

Hosokawa verwendet moderne Spieltechniken, die dem Hörer fremd erscheinen. So erklingen zum Beispiel Klappen-Geräusche, mal nur Luft oder aber andere Effekte. Es finden sich außerdem spezifische Akkorde wieder, die zunächst in ihrer Harmonie fremd erscheinen mögen, in "Fragmente III" aber als Wiedererkennungsmerkmal dienen.

"Fragmente III" von Toshio Hosokawa ist ein wirklich grandioses Werk, das uns zunächst alle verzweifeln ließ und unmachbar schien. Mittlerweile haben wir es lieben gelernt und freuen uns, auch diese Seite der Musik kennenlernen zu dürfen und unserem Publikum nahe bringen zu können.

Nele Tennstedt