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"Zuerst habe ich mich gefragt, was mir für diese doch sehr ungewöhnliche Besetzung einfällt." Interview mit Björn Raithel

22.January 2019   Kammermusikzentrum NRW

Im Auftrag des Landesmusikrates NRW hat der Bochumer Komponist Björn Raithel ein Stück für das Ensemble Devienne+ des Kammermusikzentrums geschrieben. Die fünf Musiker*innen haben in der letzten Probe den Komponisten interviewt.

Devienne+ (Lennart): Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie den Kompositionsauftrag erhalten haben, also wie war Ihre Reaktion?
Björn Raithel: Zuerst habe ich mich gefragt, was mir für diese doch sehr ungewöhnliche Besetzung (Klavier, Geige, Bratsche, Cello, Fagott) einfällt. Dann habe ich mich gefragt, welche Art von Musik gut in das Programm passen würde. Für mich stand da zuerst die Idee eines langsamen Satzes im Vordergrund, eines sehr expressiven, elegischen, bei dem der Fokus auf Linienführung und dergleichen liegt. Dann habe ich die „Berceuse en Tableau“ geschrieben. Die entwickelte sich so wie sie jetzt ist im Laufe der Komposition, das habe ich nicht vorher geplant.

Devienne+ (Karoline): Komponiert man denn eher so phasenweise oder sitzen Sie da mehrere Stunden am Stück dran?
Björn Raithel: Also bei der Berceuse war das phasenweise, weil ich meistens keine Zeit hatte. Ich persönlich brauche aber Minimum immer ein Zeitfenster von zwei Stunden, um mich wieder in dieses Stück hineinfinden zu können. Wenn man die Sachen für einen gewissen Zeitraum weglegt, braucht man auch eine gewisse Zeit um sich wieder reinzufinden und das bringt eigentlich nichts, wenn man das in einer halben Stunde oder so versucht. Die Arbeit an der Berceuse war also ziemlich durchlöchert, wenn ich das so sagen darf.

Devienne+ (Karoline): Und welches Instrument spielen Sie?
Björn Raithel: Ich spiele Gitarre.

Devienne+ (Tabea): Und was gefällt Ihnen an unserer ungewöhnlichen Besetzung?
Björn Raithel: Also ich mag die Klangfarbe sehr, ich hatte auch schon öfter den Gedanken, ein Klavier-Quartett oder -Quintett zu schreiben, aber in der Verbindung mit dem Fagott hab ich dann versucht, in der Berceuse das Fagott als gedachtes Solo-Instrument einzusetzen und da merkte ich auch sehr schnell, dass die Besetzung auch sehr inspirierend ist, sie verbindet sich sehr gut.

Devienne+ (Luise): Wie sind sie auf die Titel gekommen?
Björn Raithel: Nun ja, also das sind typische musikalische Bilder, die Berceuse als Wiegenlied, da sie häufig Assoziationen mit eben einem Wiegenlied zulässt, jedoch nur an bestimmten Stellen. Im zweiten Satz spielt vor allem der Begriff Toccata eine Rolle und zwar mit dem Gedanken, verschiedene Episoden miteinander zu verbinden, und zwar in einer ganz klassischen Form, nämlich im Rondo, daher der Titel („La Toccata en Rondeau“).

Devienne+: Vielen Dank für das Interview!
Björn Raithel: Gerne!