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Interview mit Wolfgang Kostujak - Warum man besser übt statt in die Kneipe zu gehen
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18.February 2020   Kammermusikzentrum NRW

Continuo-Spieler unter sich: Der Bassist Leonard und der Cembalist Luc haben ein Interview mit ihrem Lehrer Wolfgang Kostujak geführt. Wolfgang Kostujak unterrichtet Cembalo an der Folkwang-Universität in Essen und hat mit den baroque drops des Kammermusikzentrums im Januar geprobt.

Wann wusstest du, dass Cembalo das richtige Instrument für dich ist?
Wolfgang Kostujak: Das weiß ich ja eigentlich immer noch nicht... aber nee quatsch: Also ich habe das erste Mal Cembalo gespielt als ich fünfzehn war.

Und davor Klavier…?
Wolfgang Kostujak: Ja, genau.

Und warum bist du dann umgestiegen, hat es dir einfach besser gefallen?
Wolfgang Kostujak: Ja, es hat mir wirklich besser gefallen als Klavier, weil man darauf Sachen machen konnte, die auf dem Klavier nicht möglich waren, also gestisch fand ich es viel direkter.

Spielst du denn noch irgendwelche anderen Instrumente?
Wolfgang Kostujak: Ja, alle Tasteninstrumente: Orgel, Clavichord…

Hattest du denn damals irgendwelche nennenswerte Erfolge?
Wolfgang Kostujak: Schon, also mit der Orgel bin ich bis in den Bundeswettbewerb gekommen.

Wie fanden deine Eltern, was du da gemacht hast?
Wolfgang Kostujak: Die waren sich nicht ganz einig, meine Mutter fand das glaub ich gut und mein Vater fand das ziemlich furchtbar. Der fand sowieso, dass ich zu laut Klavier gespielt habe und hat immer gemutmaßt, dass ich nicht so lange Orgel geübt habe, wie ich geübt habe.

Wie lang hast du denn damals geübt?
Wolfgang Kostujak: So ca. 2 Stunden pro Tag, mit so 16 oder 17.

Boah, krass.
Wolfgang Kostujak: Also mein Vater hat dann immer gedacht, ich wäre in irgendwelchen Kneipen, rauch heimlich oder treff mich mit irgendwelchen merkwürdigen Gestalten am Kirchturm. Aber das habe ich natürlich überhaupt nie gemacht…

Nein, nie...
Und was steht als nächstes großes Projekt bei dir an?
Wolfgang Kostujak: Am nächsten Samstag spiele ich ein Orgelkonzert in Essen.

Wie oft und lange kommst du denn zum Üben während deines ,,normalen Tages“?
Wolfgang Kostujak: Wenn es sein muss, dann muss ich abends, nach der Hochschule nochmal ran. Wenn die Studenten in die Kneipe gehen, dann probe ich in den Sälen, so zwischen 22 und 24 Uhr.

Und machst du noch andere Musik, außer alte?
Wolfgang Kostujak: An der Orgel mach ich auch neue.

Machst du noch irgendeinen Sport oder ein anderes Hobby, das du nebenher machst?
Wolfgang Kostujak: Ja, also ich habe früher Leistungssport gemacht, da war ich jeden Tag 10 bis 15 Kilometer Joggen. Aber ich habe mir dann letztes Jahr eine Fußverletzung infolge eines Sportunfalles zugezogen und die muss jetzt erstmal abheilen.

Hast du ein Lieblingsstück?
Wolfgang Kostujak: Ich finde eigentlich alle Stücke, mit denen ich mich länger beschäftige spannend, sonst würde ich mich nicht mit ihnen beschäftigen, also wechselt das Lieblingsstück immer wieder.

Wie und wo hörst du Musik?
Wolfgang Kostujak: Ich höre eigentlich nur Livemusik. Es ist eigentlich ganz selten, dass ich mal Musik von einer Konserve höre, wenn ich zum Beispiel mal ein Musikstück kennenlernen möchte.

Würdest du jungen Pianisten raten, aufs Cembalo umzusteigen?
Wolfgang Kostujak: Ich denke, wenn man fasziniert ist sollte man seiner Faszination folgen!

Das Interview führten Luc Winkelmann und Leonard Schrahe.