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Interview mit Ulli Haas - Kammermusik ist reizvoll, aber eine Herausforderung an jeden einzelnen
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18.August 2020   Kammermusikzentrum NRW

Zwei Tubisten unter sich: Für den Blog hat Joseph, Tubist beim Blechbläserquintett Blech Royale, den Ensembledozenten Prof. Ulrich Haas interviewed.

Warum hast Du ausgerechnet Tuba gelernt und wann hast Du damit angefangen?

Gute Frage... Ich hab da einen familiären Hintergrund. Mein Vater war professioneller Tubaspieler im WDR Köln und so bin ich halt mit diesem Instrument aufgewachsen - es war quasi immer präsent wie ein Familienmitglied. So mit 10 Jahren hab ich meinen Vater dann genervt, ob ich das auch spielen dürfe. So ging dann los, zuerst mit der Baritontuba und dann mit 14 bin ich zur „richtigen“ Tuba gewechselt und dabei geblieben bis heute.

Welche Musik spielst Du am liebsten?

Gute Musik! Dabei kommt es mir nicht auf das Genre an. Klar, beruflich spiele ich natürlich hauptsächlich Opern- und Konzert-Musik. Und auch klar, da gibt's natürlich Komponisten, die die Tuba sehr eindrucksvoll eingesetzt haben z.B. in der Oper die beiden Richards - Strauss und Wagner und im Konzert Gustav Mahler, Anton Bruckner oder Dimitri Schostakowitsch und andere russische Komponisten.
Großgeworden bin ich mit sinfonischer Blasmusik, die ich auch nach wie vor sehr gern spiele. Blechbläserkammermusik spielt in meinem musikalischen Leben auch eine sehr große Rolle, zumal ich damit 1979 auch meine ersten großen musikalischen Erfolge hatte. Seit 33 Jahren spiele ich mit dem Melton Tuba Quartett und ein Ende ist erstmal nicht abzusehen.

Was magst Du an der Kammermusik und wie bist Du zu den Landesjugendensembles gekommen?

Wie ich oben schon erwähnte, mache ich schon sehr lange Kammermusik, speziell Blechbläserkammermusik. Ich mag sie aus mehreren Gründen. Zum einen klingt Kammermusik oft viel transparenter als groß besetzte Orchesterstücke. Sie ist immer eine Herausforderung für jeden einzelnen Spieler, weil die Stücke oft schwer sind und man sich nicht verstecken kann. Mit wenigen Mitspielern Stücke selber einzustudieren und zu gestalten ist sehr reizvoll, da man sehr viel von sich selber dort einbringen kann. Und nicht zuletzt ist es einfacher Konzerte für kleinere Ensembles zu organisieren, als für große Orchester.

Was macht Dir Freude beim Unterrichten und was nervt Dich?

Schon mit 16 Jahren hab ich angefangen zu unterrichten und mache es ohne Unterbrechung bis heute. Durchs Unterrichten und durch meine Schüler habe ich selber am meisten gelernt und tue es noch. Es macht mir Spaß und Freude angehenden Musikern, egal ob Amateur oder Profi, meine Erfahrungen weiterzugeben und ihnen im Idealfall zu zeigen, wie sie ihr eigener Lehrer werden können. Sehr schön ist es, wenn Unterrichten keine Einbahnstraße ist und Lehrer und Schüler etwas zusammen entwickeln. Was nervt mich? Hhmm... Wenn eine Unterrichtsstunde zu Ende ist bevor ein Problem gelöst ist oder ein Thema zu Ende behandelt ist, aus welchen Gründen auch immer... Unaufmerksamkeit, keine Fragen, zu wenig Mitdenken...

Das Interview führte Joseph Thome, Tubist im Qunintett Blech Royale.