Loading...

Das Devienne Quartett spielte bei der Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im Landtag
Alle Einträge

03.February 2020   Kammermusikzentrum NRW

Zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 75 Jahren fand am 26. Januar eine bewegende Veranstaltung im Plenarsaal des Landtages NRW statt. Auf Einladung des Landtagspräsidenten André Kuper unterstützte das Devienne Quartett mit drei Beiträgen das Gedenken musikalisch. Die Veranstaltung wurde live im WDR übertragen.

"Im Besonderen die Musiker und die Musikauswahl haben zu einer sehr würdevollen Ausgestaltung beigetragen.", heißt es in dem Dankesschreiben, das die Musiker*innen des Devienne Quartetts aus dem Landtag erreichte. Nach der Eröffnung durch den Landtagspräsidenten André Kuper spielte das Devienne Quartett (Felix Zipfel, Luca Spanier - Violine, Tabea Haun - Viola und Karoline Breyer - Violoncello) den Kopfsatz aus Arnold Schönbergs Streichquartett in D-Dur. Der Jude Schönberg, dem aus rassistischen Gründen von den Nazis die Professur an der Berliner Akademie der Künste entzogen wurde, emigrierte gerade noch rechtzeitig 1933 über Frankreich nach Amerika und kehrte nach dem 2. Weltkrieg nicht wieder zurück in seine österreichische Heimat. Sein sogenanntes nulltes Streichquartett in D-Dur ist ein Frühwerk, das seine spätere Beschäftigung mit der 12-ton-Technik noch nicht erahnen lässt, das aber romantisch überschäumend zwischen nachdenklichen, aufbrausenden, fröhlichen und resignierenden Passagen wechselt.

Abraham Lehrer, Vorstand der Synagogengemeinde Köln, erinnerte an die Verbrechen, die Deutsche an Juden verübten und forderte eine bessere Erinnerungskultur. Sehr bewegend waren die Schilderungen von Danielle und Julian Wolff, die über den Leidensweg ihres Düsseldorfer Großvaters Gary Wolff  berichteten. Der 92jährige Wolff, der ebenfalls an der Veranstaltung teilnahm, überlebte nur knapp als einziger seiner Familie das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und reiste nach Kriegsende, von Typhus und Tuberkulose gezeichnet, über Großbritannien nach New York. Der nachfolgende Beitrag des Devienne Quartetts mit dem letzten Satz aus dem 3. Streichquartett von Philip Glass "Mishima Closing" gab den Zuhörern die Möglichkeit, das Gehörte zu verinnerlichen. Die vier Musiker*innen des Kammermusikzentrums spielten ruhig und gefühlvoll, dabei aber sehr präsise die filigranene Strukturen des minimalistischen Quartettsatzes. Glass, aufgewachsen in einem jüdischen Elternhaus, betrachtet alles Religiöse aus einer wissenschaftlichen Sicht, was ihn dazu bewog zum Buddhismus überzutreten. In seiner Musik, die mit feinen Veränderungen und rhythmischen Verschiebungen arbeitet, erzeugt er vor allem Klangfarben.

In der nachfolgenden Rede betonte Ministerpräsident Armin Laschet, dass sich das Land NRW entschieden aufkommenden Antisemitismus entgegen stellen wird. Die Veranstaltung endete mit dem langsamen Satz für Streichquartett von Anton Webern. Dieses wunderbar romantische Stück mit melancholisch-fragendem Charaker spielte das Devienne Quartett mit zupackender Energie und erntete herzlichen Applaus vom Publikum.

Hier der Live-Mitschnitt aus der Mediathek des WDR und hier der Mitschnitt des Landtages