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Interview mit dem Dirigierassistenten Clemens Fieguth
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28.Oktober 2017   Landesjugendorchester NRW

„Bruckners Neunte habe ich dirigiert, mit einem ganzen Orchester, das gibt es eigentlich gar nicht…!“

Wie lange warst Du als Spieler beim LJO dabei?

Von 2004 bis 2012, acht Jahre.

 

Wie alt warst Du?

Ich war elf, das ist glaube ich Rekord.

 

Was hat sich bis heute verändert bei den Arbeitsphasen?

Im Prinzip ist es das Gleiche geblieben, in den Ferien kommen alle zusammen und proben und fahren auf Konzertreise. Früher war ab und zu so ein bisschen Rambazamba, da ging es abends etwas länger als es heute geht. Heute sind alle etwas gesitteter, als wir es früher waren. Der Zusammenhalt im Orchester, also auf der zwischenmenschlichen Ebene, ist es weiterhin grandios für die Kids.

 

Was war dein Highlight im LJO oder die schönste Erinnerung die du hast?

Da gibt es ganz viele. Tschaikowsky mit Semyon Bychkov in der Philharmonie war mit Sicherheit ein absolutes Highlight. Bei diesem Konzert haben auch Musiker des WDR Sinfonieorchesters, dem Patenorchester des LJO, mitgespielt. Das war grandios. Konzertreisen: Direkt als ich angefangen habe, das war glaube ich auch direkt meine größte Phase die ich mit gemacht habe, was den Zeitaufwand anging. Das war mit 17 Konzerten mit einem Filmmusikprogramm und einer Tournee nach Russland in die drei baltischen Hauptstädte; und ich mit elf war auf einmal auf der Ostsee mit einer Fähre anderthalb Tage. Ich war dann nur mit älteren Leuten zusammen, das war auf jeden Fall eine prägende Geschichte.

 

Gibt es auch sowas wie eine schlimmste Erinnerung?

(Überlegt) Was heißt schlimm, aber sehr ergreifend war 2005, da war ich zwölf. Wir haben eine Tour durch Polen gemacht und das KZ Auschwitz besichtigt. Ich bin froh, dass das ging und dass meine Eltern gesagt haben ist okay, das war schon eine heftige Sache.

 

Was macht das LJO für dich aus?

Im Moment ist es einfach grandios mit ein paar Leuten die ich schon lange kenne, sowohl im Betreuerteam als auch in der Organisation zusammen zu arbeiten. Auch den Künstlerischer Leiter Hubert Buchberger, der jetzt aufhört, kenne ich jetzt 13 Jahre, also das ist irgendwie was Besonderes. Obwohl in den Jahren bei mir viel passiert ist, ich habe die Schule fertig gemacht, habe dann studiert und die ganze Zeit war irgendwie immer LJO. Ich glaube ich war nie länger als ein Jahr ohne LJO Termin. Entweder habe ich mitgespielt, dann zwischendurch mal Aushilfe und dann fing das an, dass ich als Assistent mitkonnte um mit Hubert Buchberger zusammenzuarbeiten und dann von Phase zu Phase mehr Verantwortung zu bekommen. Am Anfang war das eher ein Hospitieren. Später konnte ich dann ganze Proben mit Orchester leiten, Brahms Sinfonie, Tschaikowski Sinfonie, Bruckner Neunte habe ich dirigiert, mit einem vollen Orchester, das gibt es eigentlich gar... Da hab ich ein ganz tolles Video zuhause wie ich da in Nottulm in der Turnhalle stehe und Bruckner dirigiere.

 

Du warst ja erst Schlagzeuger, wie kam es dann zu dem Wechsel? Zum Dirigieren?

Das kam auf jeden Fall durch das LJO, weil ich da das Orchesterhandwerk erlernt habe und dann im Laufe des Studiums gemerkt habe, dass das mit dem Schlagzeug für den Rest des Lebens nicht das Richtige für mich ist. Wie das dann so ist mit versteckten Leidenschaften, die werden erst so ein bisschen unterm Deckel gehalten und irgendwann kommt es raus. Das liegt natürlich auch daran, dass ich hier im LJO super Dirigenten, Hubert Buchberger, Johannes Klumpp, Gerd Albrecht, Semyon Bychkov, kennen gelernt habe. Ganz früher schon habe ich vorm Spiegel gestanden, habe als ganz Kleiner dann dazu in der Luft gepinselt. So hat sich das dann entwickelt. Im LJO über Jahre zu dirigieren und zu proben mit einem Orchester das erstens sehr gut ist, zweitens wahnsinnig viel lernen will, mit dem man alles ausprobieren kann, das ist nicht so selbstverständlich. Ein Riesenspaß…