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Der Teufel steckt im Detail
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13.Juli 2018   Kammermusikzentrum NRW

Am vergangenen Samstag den 30.06.2018 präsentierte das Ensemble ,,Familie McHammergeil‘‘ ein Bühnenwerk der ganz besonderen Art auf der Bühne des Saal Küz in Troisdorf Sieglar. Das Stück, welches den vielsagenden Titel ,,Teufelspack. – Der Tragödie einziger Teil‘‘ trug, bestach durch seine ganz eigene Dynamik.

Der Saal Küz war schon großzügig bestuhlt worden, doch kurz vor Beginn der Aufführung musste noch nachgelegt werden. Offenbar aus ganz NRW waren Zuschauerinnen und Zuschauer angereist um der Premiere des Werkes ,,Teufelspack. – Der Tragödie einziger Teil‘‘ beizuwohnen. Gespielt wurde dieses vom Ensemble ,,Familie McHammergeil‘‘ einem Ensemble, welches unter dem Dach des Kammermusikzentrum NRW zusammen mit Laura Remmler, Aischa Löbbert und Barbara Streil, Regisseurin, Schauspielerin und Musikerin ein neues Format des Musiktheaters entwickelt hat. ,,P E R F O R Musik bedeutet für uns die größtmögliche Distanz zur Altherrenkammermusik des 20. Jahrhunderts. Wir wollen die künstlerische Identität eines jeden einzelnen fördern und Musik und Schauspiel zu einem großen Ganzen verweben.‘‘, erklärt Barbara Streil, die hauptberuflich Geigerin im europaweit anerkannten Asasello-Quartett ist. Dies alles mag pathetisch und fast schon utopisch klingen, doch bringen die Jugendlichen ein Stück auf die Bühne, das ganz und gar von jener Idee beseelt scheint.

Die Geschichte ist mehr oder minder einfach und greift auf altbekannten Stoff aus der Weltliteratur zurück: der Teufel und ,,die Herrin‘‘ schließen eine Wette um die Seele der ,,schönen Helena‘‘ ab, der Teufel verliebt sich in sein Wettobjekt, sie tauscht ihre Seele bereitwillig gegen großes Talent als Musikerin ein und der Teufel merkt zu spät, dass Helena ohne Seele nicht lieben kann. Dazwischen noch zwei antike Mächte, Veritas und Orakel, die teuflischen Diener, von denen einer der noch immer in der Hölle schmorende Teufelsgeiger Niccolo Paganini ist und ein Moritaten vortragender Schnürsenkelhändler. So weit, so gut.

Was den Abend am Ende zu einem besonderen Erlebnis macht, ist die Energie und Dynamik, die vom Ensemble an den Tag gelegt wird. Die Rollen sind fein nuanciert angelegt, trotz der ernsten Thematik mit ausreichend Komik garniert und allesamt in bester Manier dargestellt. Dazu kommt die musikalische Leistung, die das ganze Werk in neue Höhen hebt und die ein oder andere hektische Bewegung bei den Umbauten, vergessen lässt. Hier zeigt sich, dass alle Schauspieler, die an diesem Abend zu sehen waren, multibegabt sind. Die meisten spielen mehrere Instrumente, singen gar und stellen ihre Rolle so dar, dass man begeistert sein muss. Eine ganz besondere Leistung war hier die einwandfreie Aufführung des gesamten Streichquartetts Nummer acht von Schostakowitsch, das auf brillante Weise den ersten Akt beendete.

Jeder einzelne hat hier seinen Platz gefunden und überzeugt auf individuelle Weise. Aron Torka glänzt als  Teufel und interpretiert diesen mal als Wahnsinnigen, mal als durchaus empathisches Wesen. Mit großer Seriosität und ohne unnötige Kunst, sozusagen pur Natur, legt Moriah Prochotta die Herrin an und stellt damit eine Machtinstanz dar, die noch immer untergeordnet zu den antiken Mächten Veritas und Orakel rangiert, die von Melina Klees und Magdalena Hopfenzitz ganz überzeugend gestaltet werden. Hilde Anders bringt als Wettobjekt Helena die große Diva auf die Bühne und glänzt besonders im Liebesduett mit Torka als Teufel. Der Teufel selbst hat seine Mitarbeiter und Masako Yamamasu als ,,Heckmeck‘‘ hat große Mühe ihren Kollegen ,,Piccolo‘‘, der eigentlich der noch immer in der Hölle schmorende Teufelsgeiger Paganini ist, unter Kontrolle zu halten. Piccolo wird gespielt von Casper Hesprich, der sich durch sein außerordentliches Geigenspiel, besonders im zweiten Akt hervortut. Publikumsliebling ist Justus Jansen als Schnürsenkelhändler Hans. Seine Moritaten geleiten das Publikum durch die mitunter wirre Handlung und schauspielerisch zeigt Jansen nicht nur Energie und Feuer, sondern auch Contenance.

Doch am Ende gilt dies für das gesamte Ensemble Familie McHammergeil. Sie sind innovativ, energetisch und bescheren dem Publikum einen intensiven Abend. Sowas wünschen wir uns häufiger!