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Bass, Bass - Wir brauchen Bass!
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10.Oktober 2017   Kinderorchester NRW

Am 23. und 24. September startete das Kinderorchester NRW mit seiner Herbstarbeitsphase in der Musikschule Solingen. 76 Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren studieren gemeinsam mit 13 Fachdozentinnen und -dozenten das herausfordernde Programm unter dem Thema "Musik und Technik" ein. Mit dabei ist auch Uli Schneider, Leiter der Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft Kontrabass NRW. Seit diesem Herbst kooperieren PAK NRW und Kinderorchester NRW bei der Aufnahme von Mitgliedern. Wir haben mit Uli Schneider gesprochen.

Lieber Uli, du bist seit 2013 Dozent beim Kinderorchester NRW für Kontrabass. Außerdem bist du Vorsitzender von der „Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft Kontrabass“ in Nordrhein-Westfalen. Was genau macht ihr da? Was sind eure Ziele?
Die Pädagogische Arbeitsgemeinschaft Kontrabass ist ein Zusammenschluss von nordrhein-westfälischen Kontrabasslehrern, die sich zum Ziel gesetzt haben, den frühen Anfang auf dem Kontrabass gezielt zu fördern. Unser Ziel ist es, Vorurteile und Ängste abzubauen Schüler in so einem jungen Alter zu unterrichten. Jetzt ist in den letzten Jahren eine schöne Entwicklung passiert: Es entsteht immer mehr kindgerechte Literatur für Kinder im Vorschulalter oder Grundschulalter. Was wir bei der PAK machen, ist ein jährliches Arbeitstreffen in der Landesmusikakademie in Heek, wo wir das Basscamp veranstalten. Das Basscamp ist in den letzten sieben Jahren auf eine Teilnehmerzahl von bis zu 50 Kindern gewachsen, so von 7-jährigen bis hin zu Erwachsenen Teilnehmer dabei sind. Somit ist es einfacher geworden -  gerade jetzt über die Kooperationen auch mit dem Kinderorchester - junge Bassisten schon früh an ein Orchester anzugliedern. Das führt wiederum dazu, dass z.B. Orchester in den Musikschulen usw. auch wieder mehr Nachwuchs bekommen. Das ist die grobe Idee der ganzen Sache.

Es ist sehr wertvoll, sich auf Landesebene zu vernetzen. Oft werden Kontrabässe in den Landesorchestern gesucht. Da hilft euer Netzwerk natürlich sehr viel weiter, nicht nur bei Teilnehmern, sondern auch bei Lehrenden. Im Moment haben wir sechs Teilnehmer mit dem Instrument Kontrabass im Kinderorchester, davon sind drei aus dem aktuellen Basscamp 2017.
Alle, die jetzt beim KIO sind, waren auch schon einmal auf dem Basscamp. Seit dieser Kooperationsvereinbarung (…) sind drei Kinder jetzt auch beim Kinderorchester dabei, was schön ist. Das witzige ist, da sind alle Leiter von den PAKs in Baden-Württemberg, Bayern oder den Hansestädten Hamburg und Bremen der gleichen Meinung: Der Bass ist gar kein unbeliebtes Instrument, er ist einfach nur nicht bekannt. Wenn ich zum Beispiel mit einer Früherziehungskollegin spreche und einen Minibass mitbringe, sind alle hellauf begeistert. Und die meisten Kinder verlieben sich auch in das Instrument, vor allem weil sich die Größe des Instrumentes personalisiert. Das ist dann nicht nur ein Holzinstrument, was ich in die Ecke stellen kann. Bei mir haben z.B. die Kontrabässe all einen Namen. (…) Ich hab jetzt einen Bass der heißt Isa, den spielt zurzeit meine Tochter. Das Konzept machen mehrere Kollegen. Die Kinder verlieben sich in das Instrument und es wird zu einem Freund, den man auch in den Arm nehmen kann. Das ist einfach anders als eine Geige oder ein kleineres Instrument (…).Es ist aber auch mit einer ganz großen Eigeninitiative von den Lehrern verbunden; die Kollegen von der PAK machen da einen total guten Job.

Wie viele Kollegen seid ihr bei der PAK?
Es gibt aktive Unterstützer der PAK. Das kann man sich so vorstellen, dass Leute sowohl beim Basscamp oder der PAK mitarbeiten. Z.B. wenn neue Literatur auf den Markt kommt oder wenn eine Musikschule einen neuen Lehrer sucht, werde ich angerufen oder angeschrieben. Und es gibt passive Unterstützer, die die Idee toll finden und ihre Schüler zum Basscamp schicken. Die finden die Idee gut, dass Kinder im frühen Alter von Kontrabassprofessoren Unterricht bekommen. Die Kinder haben somit die Möglichkeit, ganz früh eine hohe Qualität an Musik zu erfahren. Da haben wir in NRW Top-Voraussetzungen. Wir haben viele Hochschulen, mit denen wir zusammenarbeiten können, wir haben 190 Musikschulen in NRW und dann ist die Zahl 50 gar nicht mehr so groß wie man denkt (…).

Wenn man die 190 Musikschulen zählt, sind die privaten Musikschulen noch nicht dabei und private Erzieher...
Es gibt zurzeit 790 Kontrabassschüler an den Musikschulen des Landesverbandes (LVDM). Seit es die PAK hier in NRW gibt, ist es so, dass die Teilnehmerzahl der Kontrabassschüler im Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ der Zahl entspricht, die vor zehn Jahren im Regionalwettbewerb in ganz NRW teilgenommen hat. Es ist eine unglaubliche Entwicklung und da ist noch viel Luft nach oben.

Ein Grundgedanke der Kooperation von PAK und Kinderorchester ist: Wissen teilen, gemeinsam den Bass nach vorne bringen und  bekannter machen. Durch unsere Kooperation ist es möglich, dass Teilnehmer des Basscamps ohne Vorspiel beim Kinderorchester NRW einsteigen können.
Im Endeffekt ist es eine Symbiose. Ich kann durch die Kooperation das KIO gut unterstützen. Wenn ich Bässe ins KIO bringe, haben wir ein besseren Orchesterklang. Das Orchester kann dadurch auch größere Qualität bieten, weil es klanglich dem entspricht, was ein großes Sinfonieorchester auch abrufen soll. Wir als Partner können auch profitieren, zum Beispiel durch verschiedene Werbekanäle, die genutzt werden. Wir nutzen zwar auch den LVDM als Kooperationspartner, aber wir haben nicht so einen großen Einblick in das Kulturmanagement.

Vielen Dank für das Interview!

Das Basscamp 2018 findet vom 19.05 – 22.05.2018 in der Landesmusikakademie NRW Heek statt. Für weitere Informationen können Sie sich gerne mit Uli Schneider in Verbindung setzen unter pak.nrw@gmail.com

Das Interview führte Lena Zimmer